Die Orgeln der Votivkirche

In der Votivkirche befinden sich drei Orgeln: die Walcker-Orgel auf der Empore über dem Haupttor, die neue Chororgel vorne im rechten Seitenschiff und die alte Chororgel (derzeit nicht spielbar) im Kapellenkranz. Daneben gibt es noch ein spielbereites Harmonium.

Die Walcker-Orgel

Obwohl bei der Errichtung der Kirche Überlegungen für eine pfarrliche Praxis keine Rolle gespielt haben, war es offenbar keine Frage, daß die Kirche mit einer Orgel ausgestattet werden sollte. So kommt es, daß schon seit dem Bestehen der Votivkirche auch die Orgel auf der Empore über dem Haupteingang steht. Die Kollaudierung, damals "Revision' genannt, fand am 30. Oktober 1878 mit Anton Bruckner statt.
Die Orgel wurde von der Orgelbauanstalt E. F. Walcker, Ludwigsburg, erbaut und hat 61 Register, 3 Manuale und Pedal, mit insgesamt 3762 Pfeifen. Spiel- und Registertraktur sind rein mechanisch mit Kegelladensystemen, als Besonderheit weist das Werk im ersten Manual eine Barker-Maschine auf. Aufgrund dieser original erhaltenen Bauart gilt die Orgel weltweit als bedeutendes und wertvolles Instrument.
Das Werk erhielt 1915 ein elektrisches Gebläse, welches 1952 ausgetauscht wurde. Einen großen Eingriff erlitt die Orgel im Jahre 1917, als die großen Prospektpfeifen aus Zinn entnommen wurden. Diese wurden erst 1923 durch Zinkpfeifen ersetzt. Durch den Krieg 1944/45 entstanden Schäden, die im Jahr 1952 behoben wurden.
In den Jahren 1995 und 1996 wurde das Instrument erstmals einer gründlichen Restaurierung durch die Orgelbaufirma Klais aus Bonn unterzogen.
Die Arbeiten wurden als konservative Restaurierung verstanden, d.h. es wurden am bestehenden Instrument keine substantiellen Änderungen vorgenommen. Die Prospekt- pfeifenerneuerung ergab sich aus Gründen der Legierung einerseits und aus dem veränderten Labienverlauf der Mittelfelder andererseits: Die Pfeifen wurden möglichst originalgetreu rekonstruiert. Daß eine Instandsetzung im Sinne der Denkmalpflege überhaupt möglich war, ist nicht zuletzt der äußerst soliden handwerklichen Arbeit der alten schwäbischen Orgelbaufirma Walcker zu verdanken. Die große Orgel ist das einzige Werk dieser Bauweise und Größe, das weitgehend unverändert geblieben ist, und gilt heute als eine der bedeutendsten Denkmalorgeln der Welt.

Die alte Chororgel

Die alte Chororgel im Kapellenkranz rechts vorne hinter dem Chorgitter wurde 1904 von Josef Capek erbaut. Das ursprünglich zweimanualige pneumatische Werk besitzt seit dem letzten Umbau 1949 zehn klingende Register auf einem Manual und Pedal, Schleifladen und mechanische Traktur. Das wunderschöne Gehäuse ist kunsthistorisch besonders wertvoll.

Die neue Chororgel

Die neue Chororgel wurde von der Wiener Orgelbaufirma Philipp Eppel erbaut und 1970 eingeweiht. Gehäuseentwurf und Intonation besorgte Orgelbaumeister Herbert Gollini. Sie besitzt 20 Register auf Schleifladen, zwei Manuale und Pedal mit mechanischer Spiel- und Registertraktur.

Die Funktion der Orgel in einer Kirche aus heutiger Sicht

In erster Linie hat eine Orgel liturgische Funktion: die Begleitung und Führung des Gemeindegesanges im Gottesdienst. Da der Gottesdienst eine lebendige Feier ist und nicht bloß eine Bildungsveranstaltung, kommt der Musik und dem Gesang ein wichtiger und wesentlicher Stellenwert zu. So bestehen die Aufgaben der Orgel darin, erstens die versammelte Gemeinde im Gesang zu unterstützen, zweitens zum Gesang hinzuführen und drittens durch das selbständige Spiel – sei es choralgebunden oder frei – zur Meditation anzuregen und hinzuführen. Dies geschieht in allen Gottesdiensten und besonders bewußt in Orgelmessen, wo an geeigneten Stellen der Feier der Gesang mit eigenständigen Orgelkompositionen eingeleitet (z.B. Eingang, Dankgesang) oder ersetzt wird (z.B. Gabenbereitung, Kommunion). Solche Orgelmessen werden in der Votivkirche regelmäßig gestaltet.

In zweiter Linie hat sie kulturelle Funktion: die Pflege des großen Schatzes an Orgelmusikwerken, die bereits durch Jahrhunderte geschaffen wurden und immer wieder entstehen. Hier kommt der Walcker-Orgel eine wesentliche Rolle zu, denn sie ist für eine bestimmte Epoche (deutsche Hochromantik) erbaut und kann als eine der wenigen im originalen Zustand erhaltenen Großkirchenorgeln dieser Zeit die Orgelkompositionen im Klang dieser Zeit wiedergeben. Dazu werden in der Votivkirche Konzerte mit hochrangigen Musikern aus dem In- und Ausland angeboten.